Sie mögen Ihre Sprache und respektieren die der anderen? Dann sind Sie ein willkommener Gast im "virtuellen“
Haus der deutschen Sprache.
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Cornelius Sommer †
Am 28. September verstarb unser Vereinsfreund Dr. Cornelius Sommer nach kurzer schwerer Krankheit in Berlin. Die meisten Vereinsfreunde kennen ihn als Organisator unseres Hauses der deutschen Sprache; vorläufig nur virtuell im Internet, soll es nach Dr. Sommers Willen ein echtes Schaufenster für die Schönheiten der deutschen Sprache werden. Sein regelmäßiges „Gedicht des Monats„ war ein erster liebevoller Schritt dorthin. Darüber hinaus war Cornelius Sommer Vorsitzender des Beirates der Stiftung Deutsche Sprache und in dieser Eigenschaft auch Mitglied der Deutschen UNESCO-Kommission.
Ich selbst kenne Cornelius Sommer auch aus unserer gemeinsamen vierjährigen Arbeit in der „Aktion Lebendiges Deutsch„. Zusammen mit Wolf Schneider und Josef Kraus haben wir mit Hilfe vieler Sprachfreunde Monat für Monat einen besonders ärgerlichen Anglizismus eingedeutscht, auf unser Suchwort brainstorming haben uns über 10.000 Vorschläge erreicht. Das Ergebnis dieser Arbeit ist in dem Buch „Deutsch lebt„ festgehalten, das vor einem Jahr im IFB Verlag erschienen ist. Und auch für das größte aktuelle Projekt des IFB Verlags, die Neuauflage der „Sternstunden der deutschen Sprache„, hat der promovierte Germanist Cornelius Sommer wichtige Beiträge geliefert: Seine Aufsätze über Martin Opitz und Christoph Martin Wieland zeigen ihn als profunden Kenner barocker und klassischer deutscher Literatur.
Im Hauptberuf war Cornelius Sommer aber Diplomat (nach einer kurzen Exkursion als Professor für Germanistik an der University of California). Als wir uns vor einem halben Dutzend Jahren im Berliner Bahnhof Zoo zu unserer ersten Unterredung trafen, kam er gerade aus Königsberg, wo er als Generalkonsul das deutsche kulturelle Erbe dieser alten Preußenstadt in Ehren hielt. Davor hatte er unserem Land als Botschafter in Finnland und in vielen anderen diplomatischen Missionen auf allen Kontinenten – die Antarktis ausgenommen – dieser Welt gedient. Wir verlieren in ihm einen großen Liebhaber wie Kenner der deutschen Sprache gleichermaßen, sein plötzlicher und unerwarteter Tod reißt eine Lücke, die nur schwer zu füllen ist.
Sein schönstes Denkmal hat sich Cornelius Sommer mit seinem Haus der deutschen Sprache selbst gesetzt. Herr Sommer, ich verspreche Ihnen, wir werden alles tun, damit Ihre Ideale in diesem Haus der deutschen Sprache weiterleben!
Walter Krämer
Es ist denen gewidmet, die - Freude an ihrer Sprache haben, - sprachliche Anregungen machen oder finden möchten, - praktischen Rat suchen oder geben können, - mehr über ihre Sprache und andere Sprachen wissen wollen.
Das HDS, eine Einrichtung der "Stiftung Deutsche Sprache“, ist keine Akademie und auch nicht der Sitz einer selbsternannten Autorität in Sprachfragen, sondern es soll ein Bürgerforum sein:
Sagen Sie bitte Ihre Meinung und bedenken Sie die der anderen!
RUTSCH?
Alle reden von, klagen über “Denglisch“ und versuchen, ihm vernünftige Grenzen zu setzen. Doch was ist mit “Rutsch“?
Wäre etwas dran an der Legende, dass die westdeutsche “D“englisch-Manie auf den Druck der anglophonen Weltkriegssieger zurückgeht, dann müsste es logischerweise in der ehemaligen DDR jede Menge “Rutsch“ gegeben haben, in den östlichen Bundesländern noch heute geben: Russisches Deutsch?
Das gab es aber nur in erstaunlich begrenztem Maße, und auch davon hat nur wenig das Ende der sowjetischen Präsenz zwischen Elbe und Oder überlebt.
Freunde des HDS in Halle an der Saale haben netterweise ihr Gedächtnis gemartert, doch nur wenig zusammentragen können. Wissen junge “Ossis“ noch, was einst alle wussten: “dawai“ bedeutet “schnell, vorwärts!“. Bleiben sie stehen, wenn jemand “stoi“ ruft? Eher nicht. Das (heute) alte Mütterchen erinnert sich vielleicht, dass man ihresgleichen einst zärtlich “Bábuschka“ genannt und es selbst als Kind die hölzernen Püppchen der bunten “Matróschka“ auseinandergenommen und wieder ineinander gesteckt hat.
Am ehesten hat die Jugend der neuen Bundesländer vielleicht von ihren Eltern noch “Mir“ als “Frieden“ im Ohr oder den “Subotnik“ als “Freiwilligen(!)“ beim gemeinnützigen Arbeitseinsatz am Wochenende (суббота = Samstag). Vielleicht versteht der Kellner noch “sto gramm“, wenn jemand ein Hundertgramm-Schlückchen Wodka bestellt?
Die “Datsche“, der “Apparatschik“, auch das “Schaschlik“ waren lange vor dem Abzug des sowjetischen Militärs auch in Westdeutschland angekommen. Den “Samowar“ kennt ganz Europa schon lang aus der russischen Literatur. Im Westen findet jetzt allmählich auch “Soljanka“, die würzige Fleischsuppe, Freunde und Platz auf der Speisekarte. Derweil stellen sich die russischen “Pelméni“ in deutschsprachigen Gebieten der internationalen Konkurrenz der Ravioli, Maultaschen, Mandu und Piroggen.
Abhören, anhören, erhören, hinhören, mithören, nachhören, überhören, verhören, weghören, zuhören – immer sind die Ohren am Werk. Nur bei “aufhören“ nicht und bei “gehören“. Oder doch?
Ein Blick in den “Kluge “, also in das wortgeschichtliche, das “Etymologische Wörterbuch der deutschen Sprache“ hilft weiter:
aufhören Standardwortschatz [seit] 13. Jhdt., mittelhochdeusch ûfhoeren; […] Wenn jemand auf etwas sein Augenmerk [bzw. “Ohrenmerk“] richtet, dann läßt er zugleich von seiner Tätigkeit ab. Das Ablassen ist deshalb ein anderer Aspekt des Aufmerkens.
gehören Standardwortschatz [seit] 8. Jhdt. Die heutige Bedeutung entwickelt sich aus “auf jemand hören“ = “zu ihm gehören“, geht also ursprünglich von Personen aus und ist dann auf Sachen verallgemeinert worden.
Vielleicht möchten Sie Vorschläge zur Ausstattung des HDS machen? Schreiben Sie bitte an:
d-a-ch[at]hausderdeutschensprache.eu oder an:
Haus der deutschen Sprache, Postfach 200 643, 13516 Berlin
und beachten Sie bitte: An diesem Haus wird beständig weiter gebaut. Wir hoffen auf Ihre Mitarbeit. Schauen Sie also immer wieder mal bei uns herein!
Empfehlung: Seit Dezember 2009 steht denen ein neuartiges Hilfsmittel zur Verfügung, die nach dem jahrelangen, verwirrenden Hin und Her der sogenannten Reform ihre frühere Sicherheit in der Rechtschreibung zurückgewinnen möchten - oder müssen, weil sie sich keine Fehler erlauben können. Mehrfach hat Dr. Evelyn Schärer bei der Arbeit an diesem Werk (vgl. www.rechtschreibung-handbuch.de) den Rat des HDS erbeten, erhalten und beherzigt. Das Buch ist übersichtlich, klar und voller Beispiele aus dem und für den praktischen Alltag des Schreibens. Es ist auch ohne Vorkenntnisse in der Grammatik leicht zu gebrauchen. Wer aber möchte, kann sich deren vielleicht längst vergessene Grundbegriffe im Anhang rasch wieder ins Gedächtnis rufen.
Empfehlung:
Auf dem hinteren Buchdeckel wird der nicht für alle sofort klare Titel des Buches erläutert:
Wir wollen die Weltsprache und lernen die falsche. Wir opfern die eigene Sprache, und die fehlt dann – auch zum Erlernen der Weltsprache.
Der Aufwand, den wir in die englische Sprache investieren, fehlt der Muttersprache. Das kommt uns teuer zu stehen. Erstens benötigen wir die Muttersprache für alles, was es zu lernen gibt – unter anderem Englisch. In Wirtschaft und Wissenschaft verpassen wir das Klassenziel mit minderwertigem Englisch und verpulvern Ressourcen für ein unerreichbares Ziel: das perfekte Englisch. Zweitens brauchen die meisten kein gutes Englisch, sie brauchen Globisch, die wahre Weltsprache, denn gutes Englisch schadet mehr als es nützt – es wird nicht verstanden. Das Buch klärt drei Fragen: Zu welchem Zweck müssen wir mehr für unser Deutsch tun, welche Minderheit benötigt bestes Hochenglisch, und wie kommt die Mehrheit an das benötigte Globisch ein ordentliches, regelgerechtes, auf das Notwendige reduzierte Englisch; hier wird es vorgestellt.
IFB Verlag Deutsche Sprache GmbH, Paderborn 2011, 389 S., € 19,60