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richtig!   deutlich!   schön!

richtig?   deutlich?   schön?

richtig.   deutlich.   schön.

 

Die Aufforderung, die Frage, der Befund betreffen nicht die Sprache an sich, sondern ihren Gebrauch - durch eine einzelne Person, eine Behörde, eine Zeitschrift und dergleichen.


In jeder Sprache lässt es sich richtig, deutlich und schön sprechen oder schreiben. Auch falsch natürlich, unklar oder hässlich.

richtig  
Mit "richtig“ sollte es am einfachsten sein: Es gibt Regeln für das Hochdeutsche. Die ändern sich - bei Rechtschreibung, Wortbedeutung und Grammatik - im Laufe der Zeit, aber nie von einem Tag auf den anderen. Dahinter steht meist der Abschluss eines allmählichen Wandels kollektiver Sprach- oder Schreibgewohnheiten. Ein solcher Wandel scheint z.B. gerade bei wegen im Gang zu sein: von wegen des hin zu wegen dem oder, umgekehrt, von trotz dem hin zu trotz des. Abwarten? Dagegenhalten?    
Wer nich verständlick spreckt, mot lyden, dat het dann de Leser nich verstaht, und düdet als he kann.
Lichtenberg

 

deutlich

  
Recht objektiv zu beurteilen ist, ob jemand "deutlich“ schreibt oder spricht. Die Frage "Ist das klar zu verstehen?“ lässt sich meist mit "ja“ oder "nein“ beantworten, wenigstens mit "ziemlich“ oder "nicht so recht“. Es gibt zwar persönliche Unterschiede bei der Bewertung, doch die sind selten extrem.   
 
Wer sich selber bis auf den Grund klar ist und ganz deutlich weiß, was er will und denkt, der wird nie undeutlich schreiben.
Schopenhauer

 

schön

  
Ob jemand "schön“ spricht oder schreibt, beurteilt allein der Geschmack der Hörenden oder Lesenden. Wie verschieden der von Person zu Person ist, kann man in jeder Fernseh-Gesprächsrunde über Literatur feststellen, in der Diskussion unter Freunden oder in der Schule. - Es ist es wie bei der Musik: Die eine findet die von Richard Strauss schön, der andere die von Richard Wagner. Und beide haben recht.
 
Unsere Sprache wird immer unschöner – trotz durchaus wachsenden Vokabulars.
Loriot

 

Der Beachtung von Regeln wird heute weniger Bedeutung zuerkannt als noch vor ein, zwei Generationen. Manchen sind sie nur lästiger Lern-Kram, anderen eine Einschränkung ihres persönlichen Stils oder eine Gängelung durch die Obrigkeit - Eltern, "altmodische Lehrer“ und "konservative“ Lehrherren. Solang man halbwegs verstanden werde, sei doch alles in Ordnung. Oder?

Wer sich gegen die nachplappernde Verbreitung falschen Sprachgebrauchs wehrt (Wir gedenken dem hundersten Geburtstag von...), dem wird jetzt oft entgegengehalten: "Sprachen entwickeln sich halt weiter“.

Das tun sie nicht. Denn sie können es nicht selbst, ebenso wenig, wie das die Musik, die Straßenverkehrsordnung oder die Technik können. Sie werden weiterentwickelt, und zwar von der ganzen Sprachgemeinschaft. Die allein bestimmt, was richtig ist und was falsch - nicht der sprachlich unbedarfte Schaufensterdekorateur, das "Partyluder“ auf der Titelseite rotbuchstabiger Blätter oder ein Wörterbuch, das derartige "Weiterentwickler" als "Volkesstimme" anerkennt.

Als Regeln erkennbar - besonders für die Schule oder amtliche Texte - werden diese vom Sprachvolk selbst entwickelten Normen erst durch ihre systematische Erfassung etwa in Wörterbüchern und Grammatiken.

 

Duden

Das noch immer bekannteste Beispiel hierfür ist der "Duden“. 1880 veröffentlichte der Gymnasialdirektor Konrad Duden sein "Vollständiges orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache“. Darin erfasste er den seinerzeit als hoch- oder standarddeutsch geltenden Wortschatz und entschied sich in vielen Fällen der damals schwankenden Rechtschreibung für eine bestimmte Form.

Bald wurde der Duden von der großen Mehrheit der deutsch Sprechenden, vor allem der deutsch Schreibenden und der Deutsch Lehrenden wie eine Art Gesetzbuch geachtet, und zwar nicht nur für die Rechtschreibung, sondern auch, wenn man wissen wollte, ob dies oder jenes Wort ein "richtiges“, ein "salonfähiges“ sei, welches Geschlecht es habe und wie z.B. die Mehrzahl heiße, wo ein Komma zu stehen habe oder wo nicht.

Dutzende von Auflagen dieses Werks haben seither die Weiterentwicklung unserer Sprache begleitet und immer wieder neue Entwicklungen in neue Regeln gefasst. In der ehemaligen DDR gab es einen Parallel-Duden.

Dass der Duden in den letzten Jahren viel von seiner Autorität und Nützlichkeit verloren hat, dürfte mehrere Gründe haben:

- Er hat (allmählich fast ganz) aufgehört, bei der Auswahl der aufzunehmenden Wörter zwischen Umgangs- und Standardsprache zu unterscheiden, d.h. er verzeichnet alle Wörter, auf die er ein paarmal irgendwo gestoßen ist, auch zahllose englische Vokabeln. Dadurch verweigert er denen seine Hilfe, die nicht sicher sind, ob sie dieses oder jenes Wort, z.B. im Schulheft, in der Bewerbung oder Werbung, gebrauchen sollten.

- Er hat sich schon der ersten Version der sogenannten Rechtschreibreform unterworfen und bald darauf, wohl erschrocken über den der Reform und dem Duden nachgewiesenen Unsinn, den Rückzug dadurch angetreten, dass er in Hunderten von Fällen sagt: "Mach’s, wie du willst!“. Seither ist der Duden nicht mehr der Duden.

- Mit dem Wörterbuch "Wahrig. Die deutsche Rechtschreibung“ ist ihm ein ebenbürtiger, gut angenommener Konkurrent gegenübergetreten, der pfleglicher mit der bewährten Rechtschreibung umgeht.

 

Über die letzten Jahrzehnte sind (vielleicht im Geiste von 1968) hier und da im deutschsprachigen Gebiet und immer wieder Zweifel daran geäußert und gesät worden, ob es (s.o.) überhaupt Regeln für den Gebrauch unserer Sprache geben müsse oder dürfe.

Auch wir im HDS glauben, dass niemand unserer Sprache Regeln geben müsse oder könne. Die hat sie nämlich schon, trägt sie in sich selbst. Wir müssen sie nur erkennen, uns zu ihnen bekennen und die innere Logik unserer Sprache achten. Wie Bastian Sick sind wir im HDS überzeugt:

Man kann sehr wohl richtiges Deutsch von falschem unterscheiden.

Warum sollte es auch einen deutschen Sonderweg geben, d.h. ausgerechnet für unsere Sprache nicht gelten, was für die anderen gilt? Warum sollten wir sie nicht mit derselben Zuneigung, Freude und Gewissenhaftigkeit schützen und pflegen, wie dies z.B. die Engländer und Russen, die Franzosen und Chinesen, die Niederländer, Spanier, Isländer, Polen oder Finnen, wie es eigentlich alle tun?

Nur richtiges Deutsch ist deutlich, nur deutliches schön.

Das HDS lädt seine Gäste ein, ihre Gedanken und Beobachtungen zum Thema richtig - deutlich - schön mit anderen Freundinnen und Freunden der deutschen Sprache zu teilen.

Schreiben Sie bitte an: d-a-ch[at]hausderdeutschensprache.de

Sagen Sie uns, aus welcher Stadt Sie schreiben und ob wir Ihren Namen oder Ihre Initialen bekanntgeben dürfen.

 
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