Wer kann helfen?
Sehr geehrte Damen und Herren im HDS, wann ich die Frage zum erstenmal gehört habe, weiß ich nicht mehr, aber ich habe bis heute keine Antwort gefunden. Die Lehrerin will den Kindern eine Nachricht an die Eltern mitgeben und sagt: "Sagt euren Müttern, dass ...". Oder sollte sie besser sagen "Sagt eurer Mutter, dass ..."? Offenbar sind beide Formen nicht ganz richtig, denn weder hat ein Kind mehrere Mütter, noch haben alle Kinder eine gemeinsame Mutter. Wie muss es richtig heißen? Mit freundlichen Grüßen, Harald K. (Düsseldorf)
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Frau Tanja W. sieht das so: In diesem Fall spricht die Lehrerin jeden einzelnen Schüler ('Sagt eurer') auf seine Mutter an. Darum ist für mein Empfinden der Satz: 'Sagt eurer Mutter...' richtig. Ich vermute, es liegt an der Aufforderung 'Sagt..'. Wenn das Wort 'Sagt...' nicht im Satz stünde, dann sollte die Lehrerin '..eurer Mütter...' sagen. Zum Beispiel: 'Die Kochkünste eurer Mütter sind grandios.' oder 'Eure Mütter stehen rechts der Markierung, die Väter links.' ABER 'Sagt eurer Mutter, sie steht rechts der Markierung, euer Vater (oder 'die Väter') links.' Herr Anselmo di B. vertraut auf das "Weltwissen" der angesprochenen Kinder:
Die korrekte Form ist offensichtlich 'Sagt euren Müttern'. Das verstehen ganz sicher auch die angesprochenen Kinder, die das 'sagt' als eine Pluralform des Imperativs erkennen und der Vielheit ihrer selbst eine ebensolche Vielheit von Müttern zuordnen. Der dem Herrn K. anstößige Gedanke, daß ein Kind mehrere Mütter haben solle, wird den Kindern, dank ihres 'Weltwissens' (Weinrich), nicht beikommen. Die Option 'Mutter', die einer Vielheit von Kindern ('sagt') nur eine Mutter zuspricht, ist zu verwerfen. Allerdings darf die Lehrerin, die sich (hoffentlich nur aus Versehen) so ausdrückt, darauf rechnen, daß die Kinder die Sache schon richtig auffassen und ein jedes seiner jeweiligen Mutter ihre, der Lehrerin, Worte getreulich zutragen werde. Gerhard F., Lehrbeauftragter i.R. in Kalamazoo. Michigan/USA. schreibt:
Hier ist meine Meinung, mein Vorschlag: "Sagt euren Müttern" ist ein kollektiver Aufruf an eine Gruppe, und jeder einzelne deren Schüler hat offensichtlich eine Mutter, so dass mir diese Form der Aufforderung vollkommen legitim erscheint. Die zweite Redewendung scheint die Feststellung zu machen, dass alle der anwesenden Schüler die gleiche Mutter haben, und aus dem Grund erscheint mir diese Wortwahl als ungerechtfertigt. Wie wäre es mit dieser Variante oder Alternativformulierung: "Jeder sage seiner Mutter?" Außerdem wäre es vielleicht sogar sinnvoller, die Formulierung "Sagt euren Eltern" zu wählen, wenigstens in der Annahme, dass es zuhause tatsächlich je einen Vater & eine Mutter gibt! Beste Grüße! Annie S. in Zürich hält die Diskussion für übertrieben:
Ich habe gelernt, in solchen Fällen "Mutter" zu sagen. Ihre drei Beiträge habe ich mit großem Interesse gelesen. So sehr ich die deutsche Sprache und das logische Denken liebe, so sehr grenzen diese Überlegungen an Spitzfindigkeiten, die die Sprache unnötig komplizieren. Muss man nämlich der Sprachlogik zuliebe auf etwas anderes ausweichen (z.B "Eltern"), erinnert das schon beinahe an den Stotterer, der immer wieder gezwungen ist, seine Gedanken neu zu formulieren [um für ihn schwer aussprechbare Wörter zu vermeiden]. L'art pour l'art? Dr. Roland S. in Berlin sieht das so:
Es muss heißen: "Sagt euren Müttern ...". Viele Kinder, die hier in ihrer Gesamtheit angesprochen werden, haben jeweils eine Mutter, die in ihrer Gesamtheit "die Mütter" ergeben. Wollte man es ganz korrekt sagen, was in der Umgangssprache im Gegensatz zur Wissenschaftssprache nicht üblich ist, müsste es heißen: "Sage ein jeder von euch seiner Mutter...". Aber wer spricht heute noch so? Das wäre vielleicht Althochdeutsch oder dichterisches Deutsch. Herr Stefan Sch. beantwortet die Frage mit Hilfe des Bürgerlichen Gesetzbuchs:
Zu der Frage "Mütter oder Mutter":
Richtigerweise sind natürlich beide Varianten zu verwerfen, da sonst die Väter diskriminiert werden. Dies ergibt sich schon aus § 1626 BGB [Bürgerliches Gesetzbuch (Deutschlands)].
In Absatz 2 heißt es: Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an.
Insbesondere aus Satz 2 ergibt sich: Es kann nur heißen "sagt euren Eltern", Denn dass das BGB in korrekter deutscher Sprache verfaßt ist, steht außer Frage.
'Quod erat demonstrandum'. |